Die Anfänge der ArbeiterInnenbewegung: Geschichte der Salzburger Sozialdemokratie I

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Mit dem Vereinsgesetz von 1867 erhielt die ArbeiterInnenbewegung eine erste legale Grundlage für ihre Aktivitäten. Zunächst wurden Bildungsvereine gegründet, da politische Vereine verboten waren. Die Behörden waren angehalten, jeden Verein umgehend aufzulösen, falls dieser seine statutenmäßige Wirksamkeit überschreiten sollte.

Am 11. März 1868 wurde um Genehmigung des ersten „Arbeiter-Bildungsvereins“ in der Kronlandeshauptstadt Salzburg angesucht. Dabei wurde als Vereinszweck „die Hebung des Arbeiterstandes in geistiger, sittlicher, kultureller und materieller Beziehung“ angeführt. Erreicht werden sollte dies durch die Abhaltung von Vorträgen, Diskussionen und sonstigen Veranstaltungen. Eine Woche später, am 18. März 1868, teilte die Landesregierung dem Buchbindergehilfen Josef Klotz mit, dass der Verein nicht untersagt wird. Somit war der erste „Arbeiter-Bildungsverein“ in Salzburg offiziell gegründet. Die Tätigkeiten blieben aufgrund der engen gesetzlichen Rahmenbedingungen aber recht bescheiden. So wurden Rechtschreibkurse angeboten oder gemeinsame Ausflüge abgehalten. In Wirklichkeit gärte es jedoch unter der Salzburger ArbeiterInnenschaft, die unerträglichen Bedingungen an ihren Arbeitsplätzen endlich zu verbessern.

Die ersten, die sich gegen diese Ungerechtigkeiten in Salzburg auflehnten, waren die Tischlergehilfen im Jahr 1871. Im September forderten sie, „nur mehr von sechs Uhr früh bis sechs Uhr Abends arbeiten zu müssen“. Ein Streik, der im gleichen Monat durchgeführt wurde, blieb jedoch ergebnislos. Dies stärkte die Erkenntnis, dass man ohne eine entsprechend schlagkräftige Organisation nicht ans Ziel kommen würde. Die Salzburger Schneidergehilfen gründeten daraufhin einen Fachverein, der am 8. Februar 1872 behördlich genehmigt wurde. Wenig später taten es ihnen die Tischlergehilfen, die Eisen- und Metallarbeiter, die Schuhmachergehilfen sowie die Müller und Bäcker gleich. Damit bemühten sich fünf Fachvereine, die Arbeiter in Salzburg zu organisieren und dadurch die Grundlage für weitere Lohn- und Arbeitskämpfe zu schaffen.

Wenige Monate nach seiner Gründung trat der Fachverein der Schneidergehilfen in seinen ersten Lohnkampf. Als daraufhin zwei Gesellen entlassen wurden, erklärten sich andere mit ihnen solidarisch und traten in den Streik.
Obwohl die Gesellen einen ersten Erfolg vor Gericht feiern konnten, war der Druck so groß, dass der Streik misslang und rund die Hälfte der Mitglieder aus dem Fachverein wieder austraten. Der große Mut der Schneidergehilfen sollte jedoch bald Nachahmer finden. Erste weitreichende Erfolge errangen wenig später die Schustergesellen, die eine 20-prozentige Lohnerhöhung zugesprochen bekamen.

Doch nach den ersten Erfolgen kam es zu einem großen Rückschritt: Per Erlass wurden am 18. Juni 1874 der „Arbeiter-Bildungsverein“ sowie die fünf Fachvereine aufgelöst. Begründet wurde dies damit, dass die Organisationen untereinander enge Verbindungen pflegten und sich nach und nach der politischen ArbeiterInnenbewegung angeschlossen hatten.
In weiterer Folge mussten sich die Salzburger Arbeiter illegal treffen. Da dies öfters verhindert wurde, wich man nach Salzburghofen in Bayern aus. Erst am 31. Dezember 1879 gelang es nach zahlreichen vergeblichen Bemühungen wieder, die Bewilligung für einen „Allgemeinen Arbeiterverein für Salzburg und Umgebung“ zu erhalten. Doch die kommenden Jahre sollten schwierig werden: Verfolgung und kleinliche Polizeischikanen standen an der Tagesordnung.

Im Jahr 1888 kam es dann zur entscheidenden Wendung: Dem Arzt Victor Adler gelang es, auf dem Hainfelder Parteitag die Einigung zwischen gemäßigten und radikalen SozialdemokratInnen herbeizuführen. Aus Salzburg nahm der Tischlergeselle Karl Fürst am Parteitag teil, obwohl die Behörden dies zu verhindern versuchten.

Ein halbes Jahr später wurde abermals Geschichte geschrieben: Am 14. Juli 1889 begann in Paris eine Konferenz, aus der die „Zweite Internationale“ erwachsen sollte. Auf dem Pariser Gründungskongress wurde auch der Beschluss gefasst, den Kampf um den Achtstundentag aufzunehmen und dafür den 1. Mai zum Weltfeiertag der ArbeiterInnen zu erklären.

Der 1. Mai 1892: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
Bildquelle: Steinocher-Archiv

Nach diesen bedeutsamen Ereignissen der Jahre 1888 und 1889 war nun die Etablierung einer sozialdemokratischen Partei in Salzburg nicht mehr aufzuhalten.


Titelbild:
„Erste-Mai-Feier“ in Saalfelden
Steinocher-Archiv